Lange Zeit war "Enterprise-Software" gleichbedeutend mit großen, schweren All-in-One-Systemen. Heute erfahren wir einen Paradigmenwechsel hin zu modularen Architekturen.
Warum der klassische Monolith zur Innovationsbremse wird und warum "Composable" nicht nur ein Trend, sondern eine Notwendigkeit für digitale Souveränität ist.
Der Monolith: Das goldene Gefängnis
Ein Monolith (wie große ERP-Landschaften, CRM-Systeme oder komplexe Legacy-Suites) vereint alles unter einem Dach: User Interface, Datenbank, Logik und oft auch eine proprietäre Cloud-Infrastruktur.
Die vermeintliche Einfachheit: Theoretisch gibt es nur ein System, einen Login und einen Ansprechpartner. In der Realität führen diese All-in-One-Versprechen oft zu massiver Komplexität, da das System für jeden Anwendungsfall nur einen Kompromiss bietet.
Der Nachteil: Mit der Zeit wird das System starr. Die Abhängigkeiten sind so eng verzahnt, dass ein Update an einer Stelle das gesamte Konstrukt gefährden kann. Man ist im "Vendor Lock-in" gefangen – Innovationen dauern Monate statt Tage.
Composable: Best-of-Breed statt Kompromiss
Bei einer Composable Architecture (oft in Verbindung mit "Headless" oder MACH-Prinzipien) wählen Unternehmen für jede Kernaufgabe den jeweils spezialisierten Service:
- Content Management: Ein hochspezialisiertes Headless CMS für maximale redaktionelle Freiheit.
- Commerce: Eine spezialisierte Engine für Checkout, Pricing und Inventar.
- Search & Discovery: Ein dezidierter Suchdienst für blitzschnelle, KI-gestützte Ergebnisse.
- Frontend: Eine maßgeschneiderte Nutzeroberfläche, die nur die Daten über APIs konsumiert.
Die Schattenseite: Fragmentierte Landschaften
Wo Licht ist, ist auch Schatten. Composable löst das Problem der Starrheit, schafft aber neue Herausforderungen: Die **Governance**.
Ohne eine klare Strategie verwandelt sich die modulare Freiheit schnell in eine fragmentierte Software-Wildnis. Man verwaltet nicht mehr ein System, sondern zehn. Das erfordert ein hohes Maß an Architektur-Know-how, Orchestrierung und eine saubere API-Dokumentation. Composable ist keine "Plug-and-Play"-Lösung, sondern eine bewusste Entscheidung für Modularität, die gemanagt werden muss.
Warum der Wechsel trotzdem alternativlos ist?
Die Anforderungen an Geschwindigkeit und Flexibilität sind explodiert. In einer Composable-Welt kannst du das CMS tauschen, ohne den Shop neu bauen zu müssen. Du kannst neue Services hinzufügen (z.B. KI-Integrationen), ohne das Kernsystem zu gefährden.
"Wer heute noch Monolithen baut, kauft sich technische Schulden für die Zukunft. Composable ist die Architektur der Freiheit – sofern man bereit ist, die Orchestrierung zu beherrschen."
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