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Vibe Coding – Mein empfohlenes Vorgehen
Teil 1: Der Prozess.

Neu: Teil 2: Warum Natürlichkeit jede Prompt-Formel schlägt →
Februar 2026 Dennis Honke AI & Code

Vibe Coding ist kein „Magic Mode“. Es ist ein strukturierter, iterativer Ansatz für AI-getriebene Softwareentwicklung. Die wichtigste Erkenntnis: Nicht Code schreiben – Ergebnisse gestalten.

Vibe Coding Process

Viele Entwickler nutzen KI-Tools wie Cursor, Antigravity oder GitHub Copilot nur als "besseres Autocomplete". Das ist verschwendetes Potenzial. Um wirklich Geschwindigkeit aufzunehmen, ohne die Kontrolle zu verlieren, braucht es einen Prozess.

Das 5-Schritte-Modell

Dieses Vorgehen hat sich in meinen Projekten bewährt, um von der Idee zur Umsetzung zu kommen, ohne im "Prompt-Chaos" zu versinken.

1. Anforderungen im Dialog mit dem LLM klären

Starte nicht mit einer fertigen Spezifikation, sondern mit einer Diskussion. Erkläre dem LLM deine Ziele, Nicht-Ziele (Out of Scope), Constraints und Rahmenbedingungen. Gib viel Kontext, aber verliere dich noch nicht in Implementierungsdetails. Lass das LLM Fragen stellen, um Lücken in deiner Logik zu finden.

2. Master Prompt erzeugen

Lass das LLM das Ergebnis der Diskussion in einen strukturierten "Master Prompt" verdichten. Dieser sollte enthalten:

  • Zielbild: Was bauen wir genau?
  • Constraints: Tech-Stack, Libraries, Design-Patterns.
  • Arbeitsmodus: Wie soll die KI agieren (z.B. "Chain of Thought", "Test-Driven")?
  • Qualitätskriterien: Woran messen wir Erfolg?

3. Master Prompt schärfen

Jetzt kommt der Mensch ins Spiel. Kürze den Prompt. Präzisiere ihn. Erhöhe den Fokus. Klarheit ist der größte Qualitätshebel bei der Arbeit mit LLMs. Ein schwammiger Prompt führt zu schwammigem Code.

4. Übergabe an AI IDE

Mit diesem geschärften Kontext übernehmen Agenten (z.B. in Cursor, Antigravity oder VSCode mit GitHub Copilot) die Erstellung von Code und Struktur. Der Mensch wechselt die Rolle:

  • Vom Coder zum Entscheider.
  • Vom Implementierer zum Qualitätsfilter.
  • Vom Detail-Worker zum Systemdenker.

Voraussetzung: Das Deployment, die Infrastruktur und das Operating-Fundament müssen stehen, damit du den Output sofort validieren kannst.

5. Iteratives Tuning

Vergleiche Ist-Zustand mit Zielbild. Verfeinere Anforderungen einzeln. Arbeite im Dialog statt im "Big Bang". Software entsteht inkrementell.

Kerngedanke

Software entsteht inkrementell – nicht linear. Iteration schlägt Perfektion. Klarheit schlägt Detailtiefe. Ein früher MVP schlägt das perfekte Endprodukt, das nie fertig wird.

LLMs verstärken gute Prozesse. Und sie eskalieren schlechte. Wer chaotisch arbeitet, wird mit KI nur schneller Chaos produzieren. Wer strukturiert "vibed", baut in Rekordzeit robuste Lösungen.

Executive Takeaway:
Vibe Coding erfordert mehr Disziplin, nicht weniger. Der Fokus verschiebt sich vom Schreiben der Syntax auf das Designen der Intention.

Wie wir helfen

Wir coachen Entwicklungsteams im effektiven Einsatz von AI-Tools und etablieren "Vibe Coding" als skalierbaren Prozess.

Dennis Honke
Über den Autor

Dennis Honke

Gründer von Digitale Handarbeit & Experte für strategische IT-Architektur. Seit über 17 Jahren gestaltet Dennis Honke digitale Systeme, die Resilienz und unternehmerische Souveränität vereinen.